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08.04.2020, 22:52 Uhr
Unsere Landwirte…Erzeuger hochwertiger Lebensmittel
Ein Vortrag von Herrn Jürgen Seeger, Kreislandwirt Oldenburg-Land
Trotz ihres hochwertigen und preisgünstigen Produktes „Lebensmittel“ stehen die Landwirte mit ihren Familien seit Jahren im „Focus“ der Gesellschaft.
Das Gesicht der europäischen Landwirtschaft und der ländlichen Räume hat sich seit dem Beginn der Europäischen Agrarpolitik stark verändert. Heute ernähren weniger und größere Betriebe die Menschen in der EU.
Jedes Jahr geben in Deutschland viele Bauern ihren Betrieb auf. In den letzten zwanzig Jahren hat sich so die Zahl der Höfe quasi halbiert, dafür ist nachvollziehbar die Größe der noch existierenden Betriebe ist gestiegen.
Gab es 1999 noch rund 470.000 landwirtschaftliche Betriebe so waren es 2016 nur noch ~275.000. Dies war ein starker Rückgang von fast 200.000 Höfen innerhalb von 17 Jahren, damit werden die Betriebe die überleben verständlicherweise immer größer. So steigt die Zahl der Betriebe mit einer Größe zwischen 100 und 200 Hektar. Die durchschnittliche Größe der landwirtschaftlichen Betriebe stieg seit 2000 von ~36 auf ~60 Hektar.
Etliche von den verbliebenen Betrieben wirtschaftet z.T. im Nebenerwerb, weil das Einkommen aus der landwirtschaftlichen Produktion mehr zum Leben reicht. In den vergangenen Monaten haben die Landwirte mit einigen Aktionen wie „der grünen Kreuze“, den Demonstrationen mit Traktoren bis nach Berlin etc. auf ihre prekäre Situation aufmerksam gemacht. So ist das Klimapaket, die Düngeverordnung und etliche andere Maßnahmen längst beschlossen und quasi politischer, gesellschaftlicher Konsens. Herr Seeger meint, dass die Auflagen und Forderungen an die deutschen Landwirte einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Da ist die neue Düngeverordnung, das Klimapaket, die Kürzung der Direktzahlungen, das Verbot von Glyphosat zur Unkrautbekämpfung ab 2023, höhere Auflagen beim Tierwohl und beim Insektenschutz etc.
In manchen Teilen Deutschlands, dazu zählen sicherlich auch Gebiete in der Region Weser-Ems, treten aufgrund der intensiven Tierhaltung Probleme mit der überschüssigen Gülle auf. In der Vergangenheit haben sich viele Techniker damit beschäftigt die Gülle sinnvoll zu verarbeiten, indem z.B. die festen Substanzen getrocknet wurden „Pellets“ und zur Dünnung verwendet werden konnten.
Der flüssige Anteil wurde so aufbereitet, dass er problemlos in Bäche und /oder Flüsse eingeleitet werden konnte.
Nun steht mit dem Großprojekt „Gülleaufbereitung im großen Stil“ im C-Port in Friesoythe ein neuer Versuch auf der Tagesordnung „Wirtschaftsdünger…Gülle und Mist“ zu verarbeiten.
Mit dem Bau einer Biomethananlage soll zukünftig dieser Wirtschaftsdünger zu Biogas mit Erdgasqualität „Biomethan“ verarbeitet werden und in das Gasnetz der EWE eingeleitet oder zu Flüssiggas „LNG-liquefied natural gas-„ umgewandelt werden. Dieses Biogas wird CO2 frei sein, als grünes Gas zur Verfügung stehen, zur Verringerung des schädlichen CO2 in der Atmosphäre beitragen und zur Verbesserung unserer Umwelt beitrage.
Es ist geplant, dass die erste Stufe Anlage im Herbst 2021 in Betrieb geht.
Diese Maßnahmen treffen zwar alle Landwirte, besonders aber kleine Betriebe und so kann die neue Düngeverordnung einigen Betrieben die wirtschaftliche Basis entziehen, weil bei gleichbleibenden Investitionen für Neubauten, Modernisierungen etc. der finanzielle Erlös aus „Mast-Zucht-Ernte“ nicht ausreicht, um die erforderlichen Rückzahlungen der Kredite zu bedienen. Bei der Viehhaltung ist ein besonderer Trend zu beobachten. Die Zahl der gehaltenen Tiere pro Betrieb hat bei allen Tierarten zugenommen, weil die Nachfrage ansteigt. In einer Umfrage sind über 90% der Befragten grundsätzlich für eine Förderung der Landwirtschaft, nur wenige sind dagegen. Aber bei der Frage, wie die Förderung aussehen soll, gehen die Meinungen auseinander. Vorschläge der EU-Kommission sehen unter anderem vor, Direktzahlungen ab einer gewissen Größe der landwirtschaftlichen Fläche zu stoppen. Das ist politisch in Europa aber auch in Deutschland umstritten. Heute können aufgrund der technischen Möglichkeiten mehr Menschen pro landwirtschaftliche Fläche von 1Hektar ernährte werden. Erzeugte ein Landwirt im Jahre 1900 Lebensmittel für ~4 Menschen sind es heute ~150 Bürger. Dies liegt natürlich an den zur Verfügung stehenden Maschinen, Dünger und anderer Faktoren.
Der Ertrag bei Weizen pro 1ha lag im Jahr 1900 bei ~1.500 kg, heute sind dies rund 7.500 kg. Der Selbstversorgungsgrad bei Lebensmitteln lag im Jahr 1900 lag bei 85 % und 2010 bei ~100 %. Die Gesellschaft kann stolz auf ihre Landwirte sein, sie garantieren unsere Nahrungsmittelsicherheit und kümmern sich um die Natur, das Wasser, das Land und die Luft, sie halten die Landschaft am Leben…sie sind auch gute Landschaftsgärtner.
Als Schlussbetrachtung ist es für uns wichtig, dass der Generationswechsel in der Landwirtschaft gelingt. Dazu ist es aber erforderlich, dass die Landwirtschaft für den Nachwuchs attraktiv bleibt. So müssen die entsprechenden Technologien weiterentwickelt werden, weitere Entlastung körperlicher Arbeit, die landwirtschaftliche Ausbildung fördern und vor allem das Image des Landwirtes in den Medien im richtigen Licht darstellen.




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